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Dreizehenspecht | Picoides tridactylus
Drieteenspecht | Eurasian Three-Toed Woodpecker | Pico tridáctilo | נקר תלת-אצבעי | Pic tridactyle
Der einzige europäische Specht ohne jedes Rot im Gefieder und derjenige, der am engsten an alten Nadelwald mit viel stehendem Totholz gebunden ist. Wo sich in einem Fichtenbestand Borkenkäfer ausbreiten oder ein Brand einen Hang schwarz hinterlässt, kann er innerhalb weniger Jahre von spärlich zu zahlreich werden — und wieder verschwinden, sobald das Totholz aufgebraucht ist.
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Stimme
Weicher und dumpfer als bei anderen Spechten: ein kurzes kyuk, weniger scharf und weniger weit tragend als das kik des Buntspechts, bei Störung zu einem tiefen Schnarren aneinandergereiht. Das Trommeln ist der bessere Hinweis. Es dauert gut eine Sekunde — etwa 1,3 Sekunden und rund zwanzig Schläge —, wird leicht schneller und klingt am Ende aus: deutlich länger als der kurze, trockene Wirbel des Buntspechts und viel kürzer als das langsame, dröhnende Trommeln des Schwarzspechts. Beide Geschlechter trommeln, von März bis in den Mai.
Aufnahme: Alexander Kürthy — CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons
Bestimmung
Etwas kleiner und schlanker als der Buntspecht, mit langem, flachscheiteligem Kopf und kräftigem Schnabel. Schwarz-weiß und nirgends rot: Das Männchen trägt einen goldgelben Scheitel, das Weibchen einen schwarz-weiß gesprenkelten. Ein weißes Band verläuft über die Rückenmitte vom Nacken bis zum Bürzel, und die Flanken sind schwarz-weiß gebändert, sodass die Unterseite nie rein weiß wirkt. Das dunkle Gesicht wird von einem weißen Überaugenstreif und einem weißen Bartstreif durchschnitten. Jeder Fuß hat drei statt vier Zehen, und aus der Nähe ist das durch ein Spektiv tatsächlich zu sehen. Vögel der Alpen und Karpaten haben einen dunkleren, stärker gebänderten Rücken als die Skandinaviens, wo das weiße Band am breitesten ist.
Verwechslungsarten
Ausschluss ist der schnellste Weg: Keinem anderen europäischen Specht fehlt das Rot vollständig, ein schwarz-weißer Specht ohne Rot an Scheitel, Nacken oder Steiß ist also dieser. Der Buntspecht hat zwei große weiße Schulterovale statt eines weißen Rückenstreifs, eine ungestrichelte weiße Unterseite und einen scharlachroten Steiß. Der Weißrückenspecht zeigt ebenfalls Weiß am Unterrücken, ist aber größer und langschnäbliger, mit rotem Scheitel beim Männchen, Rosa unter dem Schwanz und Längsstrichelung statt Bänderung an den Flanken. Der Schwarzspecht teilt denselben alten Fichtenwald und dieselben toten Stämme, ist aber krähengroß und ganz schwarz; allein die Größe schließt eine Verwechslung aus. Bleiben Zweifel, auf das Gesicht achten: Die dunkle Maske mit zwei scharf begrenzten weißen Streifen hat kein anderer Specht.
Lebensraum
Alter, lichter Nadelwald mit viel stehendem Totholz, bevorzugt Fichte; etwa ein Zwanzigstel des Bestands muss Totholz sein, sonst kann sich der Vogel nicht halten. In Skandinavien und Osteuropa bedeutet das alte Taiga und nassen Moorwald mit absterbenden Fichten; in den Alpen und Karpaten Berghänge zwischen etwa 1200 und 1800 Metern. Er arbeitet langsam und leise, meißelt selten große Löcher, sondern schlägt mit kurzen Hieben Rinde von absterbenden Stämmen, um an Borkenkäfer- und Bockkäferlarven zu gelangen. Er ringelt auch Bäume — Reihen kleiner Löcher in einer Höhe rund um den Stamm, aus denen er zwischen Frühjahr und September Saft leckt.
Wo der Vogel vor allem zu Hause ist, eingeteilt nach EUNIS – dem europäischen Standard für Lebensräume.
Verbreitung und Zug
Der boreale Nadelwaldgürtel von Fennoskandien ostwärts durch Osteuropa und Sibirien bis Kamtschatka und Ostasien, mit südlichen Gebirgsvorposten in den Alpen, den Karpaten, den Dinariden und den Rhodopen sowie Tieflandschwerpunkten in Urwäldern wie Białowieża. Im Westen und Südwesten des Kartengebiets — auf den Britischen Inseln, an der südlichen Nordseeküste und auf der Iberischen Halbinsel — kommt er nicht vor. Jahresvogel, doch Bergvögel weichen bei strengem Wetter in tiefere Lagen aus, und nördliche Vögel streifen umher, wenn Larven knapp werden. Der Amerikanische Dreizehenspecht wird seit 2003 als eigene Art behandelt, daher endet das Verbreitungsgebiet dieses Vogels an der Beringstraße.
- Jahresvogel
- Brutvogel (Sommer)
- Winter
- Durchzug
- dunkel = Kerngebiet, hell = dünn verbreitet
Wie und wann beobachten
Im Mai und Juni in altem Fichtenwald suchen und zuerst das Totholz finden: einen Windwurf, eine vom Borkenkäfer abgetötete Abteilung, eine einige Jahre alte Brandfläche. Langsam gehen und auf leises Klopfen statt auf Rufe achten; herabrieselnde Rindenstücke verraten den Vogel oft, bevor man ihn selbst sieht. Ein Stamm mit waagerechten Reihen kleiner Löcher bedeutet, dass man im richtigen Revier ist — das sind seine Ringel. Zuverlässige Gebiete: die fennoskandische Taiga, die Alpen von Savoyen bis Bayern, die Ostalpen, der Böhmerwald, die nördlichen Karpaten und Białowieża.
Gefährdungsstatus
Weltweit nicht gefährdet (IUCN: Least Concern), und langfristig zeigt der Trend in der Europäischen Union eher nach oben als nach unten, auch wenn die Zahlen mit dem Totholzangebot stark schwanken. Die skandinavischen Bestände sind seit den 1970er-Jahren unter intensiver Forstwirtschaft zurückgegangen. Alles hängt davon ab, dass alte Fichten stehen bleiben: Das Räumen von Windwurf und Käferholz entfernt innerhalb einer einzigen Saison das gesamte Nahrungsangebot.
Wissenschaftlicher Name
Picoides tridactylus | (Linnaeus, 1758)
Linnaeus beschrieb die Art 1758 als Picus tridactylus; weil sie später in eine andere Gattung gestellt wurde, stehen Autor und Jahr in Klammern. Die Gattung Picoides wurde 1799 von De Lacépède eingeführt. Picoides ist gebildet aus lat. picus ‚Specht‘ und griech. -oides ‚ähnlich‘: ‚Spechtartiger‘. tridactylus ist altgriech. tridaktulos ‚dreizehig‘, von tri- ‚drei‘ und daktulos ‚Zehe‘: Dem Vogel fehlt die vierte Zehe, die andere Spechte besitzen. Das Exemplar, auf dem die Erstbeschreibung beruht, stammte aus Schweden.


