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Höckersamtente | Melanitta deglandi

Witvleugelzee-eend | White-Winged Scoter | Negrón aliblanco | קטיפנית לבנת-כנף | Macreuse à ailes blanches

Die schwerste der Meerenten der Gattung Melanitta und in Europa eine der am schwersten auf die Liste zu bekommenden Enten. Um eine zu sehen, muss man im Winter die Ostküste Schottlands absuchen und die gemischten Meerententrupps Kilometer für Kilometer durchkämmen. Aus der Nähe ist ein Erpel an seinem kantigen Kopf und dem kräftig gebauten Schnabel zu erkennen.

Höckersamtente (Melanitta deglandi)
Hauptfoto · Foto: Don Faulkner — CC BY-SA 2.0 · Wikimedia Commons

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Stimme

In Europa praktisch stumm. Zu hören ist das schwere Flügelklatschen beim Auffliegen und das Platschen tauchender Vögel. Im Brutgebiet gibt der Erpel einen dünnen, hohen Pfiff, fee-fiew, und das Weibchen ein heiseres, tiefes krer-krer; in einem Wintertrupp auf See hat man keine Chance, eines davon zu hören.

Anhören: RufXC181618

Aufnahme: Andrew Spencer — CC BY-NC-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Bestimmung

Der Erpel ist rußschwarz mit braun überhauchten Flanken und einem kleinen weißen Haken, der sich hinter dem Auge nach oben biegt, wie ein umgedrehtes Komma. Der Schnabel ist orangerot mit schwarzem Höcker an der Basis und schwarzer Schneidekante, und die Befiederung an der Schnabelbasis reicht bis über die Nasenlöcher nach vorn. Das Weibchen ist dunkel rußbraun mit zwei blassen hellen Flecken im Gesicht, steiler Stirn und demselben kräftigen Schnabel. Auf dem Wasser zeigen beide Geschlechter oft einen schmalen Streifen weißer Armschwingen über der Flanke; im Flug ist der weiße Spiegel breit und scharf begrenzt.

Verwechslungsarten

Es kommt ganz auf die Samtente an. Zuerst das Kopfprofil: Bei der Amerikanischen Samtente steigt die Stirn steil an und die Schnabelbasis trägt eine deutliche Wölbung, sodass der Kopf kantig wirkt, während die Samtente glatter und gleichmäßiger gerundet ist. Zweitens die Schnabelstruktur: Bei deglandi reicht die Befiederung der Zügel weit nach vorn, über die Nasenlöcher hinaus, und der Schnabel ist orange mit viel Schwarz; bei fusca endet die Befiederung früher und der Schnabel ist gelb mit kleinem schwarzem Sattel. Drittens die Form des weißen Augenzeichens: bei deglandi ein kurzer, nach oben gebogener Haken hinter dem Auge, bei der Samtente eine längere, flache weiße Linie unter und hinter dem Auge. Die braun überhauchten Flanken des Erpels sind ein nützliches Zusatzmerkmal. Die Brillenente zeigt weiße Flecken an Stirn und Nacken und überhaupt kein Weiß im Flügel; Trauerente und Pazifiktrauerente sind kleiner, rundköpfig und haben gar keinen Spiegel. Weibchen müssen nach Schnabelstruktur und Kopfprofil bestimmt werden, weil sich die Gesichtsflecken stark mit der Samtente überschneiden.

Lebensraum

Flaches Küstenmeer über Sand, Muschelschill und Kies, meist innerhalb weniger Kilometer von der Küste und oft in der Brandungszone vor Flussmündungen und Sandbänken, wo die Vögel nach Miesmuscheln und anderen Muscheln tauchen. In Europa fast immer unter Samt- und Trauerenten. Sehr selten taucht einer auf einem großen Binnensee oder Stausee auf.

Wo der Vogel vor allem zu Hause ist, eingeteilt nach EUNIS – dem europäischen Standard für Lebensräume.

Verbreitung und Zug

Brütet an flachen Seen und Flussniederungen in Alaska und Kanada und überwintert an beiden nordamerikanischen Küsten und an den Großen Seen. In Europa ist sie ein seltener Irrgast mit starker Konzentration an der Ostküste Schottlands, darunter Erpel, die Jahr für Jahr vor Nordost-Schottland, Lothian, Fife, Angus und Shetland zurückkehren. Auch Island hat Nachweise. Die sibirische Schwesterart, die Kamtschatkasamtente, erreicht Nordeuropa auf einem anderen Weg und muss bei jeder Meldung ausgeschlossen werden.

Wie und wann beobachten

Einen Wintertag mit ablandigem Wind und der Sonne im Rücken wählen und von den Dünen bei Murcar oder Blackdog kurz nördlich von Aberdeen aus suchen. Das Spektiv auf den Rand des Trupps richten und warten: Putzen, Flügelschlagen oder ein Auffliegen legen den weißen Spiegel frei. Dann nach Kopfprofil und Schnabel bestätigen, denn auch Samtenten zeigen Weiß im Flügel, und auf Distanz beweist das allein nichts.

Gefährdungsstatus

Global nicht gefährdet, doch die nordamerikanischen Mittwinterzählungen gehen seit Jahrzehnten zurück. Die Belastungen sind Ertrinken in Stellnetzen, Öl und Störungen in den Überwinterungsgebieten, Muschelfischerei mit Dredgen auf den Nahrungsbänken und die Verschlechterung der flachen borealen Seen, an denen die Vögel brüten. Nichts davon betrifft das europäische Bild, wo die Art nur als vereinzelter Irrgast vorkommt.

Wissenschaftlicher Name

Melanitta deglandi | (Bonaparte, 1850)

Bonaparte beschrieb die Art 1850 als Oedemia deglandi; weil sie später in eine andere Gattung gestellt wurde, stehen Autor und Jahr in Klammern. Die Gattung Melanitta wurde 1822 von Boie eingeführt. Melanitta ist griechisch, von melas ‚schwarz‘ und netta ‚Ente‘. deglandi ehrt den französischen Zoologen Côme-Damien Degland (1787–1856). Das Exemplar, auf dem die Erstbeschreibung beruht, stammte aus Nordamerika.